Trainingsseminare für mehr als 100 Journalisten in der Region Donezk

September 2016, Mariupol | Trainingsreihe
Nachricht13.10.2016
Тренінги для журналістів у м. Маріуполь
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Volodymyr Mostovyy: „Ein Journalistendiplom ist ein Vertrag, den Sie mit der Öffentlichkeit abschließen – und der es Ihnen auferlegt, dem Vertrauen der Bürger in Ihre zuverlässige Berichterstattung gerecht zu werden"

Im September 2016 nahmen mehr als hundert Journalisten und Journalismus-Studenten an einer Trainingsreihe in Mariupol in der Region Donezk teil. Themen waren Verwaltungs- und Dezentralisierungsreform, Justiz- und Rechtsreform  und die besonderen Herausforderungen für Journalismus in Zeiten von Krieg und Krise.

Im Einzelnen führten die Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit (FNF) und die Akademie der Ukrainischen Presse (AUP) die folgenden Trainings durch: "Wie schreibe  ich verständlich über Verwaltungsreform und Dezentralisierung?", "Wie schreibe ich verständlich über Gerichts- und Rechtsreform?“ sowie "Weltstandards des Journalismus in Krieg und Krise".

Referenten waren:

Valeri Ivanov, Präsident der Akademie der Ukrainischen Presse;

Markiyan Halabala, Rechtsanwalt;

Volodymyr Mostovyy, Gründer der politischen Wochenzeitung Serkalo Nedeli (Spiegel der Woche);

Volodymyr Oliynyk, Projektkoordinator der Friedrich Naumann Stiftung;

Andreij Yurychko, Journalist, Lehrkraft im Institut für Journalismus der Kiewer Nationalen Schewtschenko-Universität und selbst erfahrener Reporter in Krisenregionen.

Vitaly Zahaynyy, Mitbegründer und Vorsitzender der NRO „Zentrum für Bürgerinitiativen“ und Experte für Dezentralisierung und lokale Selbstverwaltung.

Förderung durch das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland.

Professor Ivanov wies daraufhin, dass die letzten ukrainischen Umfragen  einen deutlichen Vertrauensverlust der Öffentlichkeit bezüglich der Arbeit von Journalisten in der Ukraine zeigen. Zudem wirke sich staatliche Einmischung negativ auf die Arbeit von Journalisten aus. Etwa schaffe der Staat spezielle Institutionen und   beschränke den Zugang zu Informationen, um die Berichterstattung besser kontrollieren zu können. Ferner betonte Ivanov die Unzulässigkeit von Hassreden sowie von Foto- oder Videobildern, die  Körperteile von Toten zeigen und Emotionen verursachten, aber nicht für eine ausgewogene professionelle Berichterstattung stünden. Als Positivbeispiel diente ein Video des britischen Senders BBC, der bei seiner Berichterstattung über Terroranschläge oder bewaffnete Konflikte bewusst auf besonders verstörende Bilder verzichtet. Der Grund sei, so Ivanov, dass sich Zuschauer eine eigene Meinung bilden könnten, basierend auf wesentlichen Fakten anstatt auf Emotionen.

Der Präsident der AUP betonte des Weiteren, nur durch tatsächlichen Qualitätsjournalismus, die Beachtung internationaler Standards des Journalismus und ethischer Normen des Journalistenberufs sowie das Verständnis von Prozessen  und versteckten Mechanismen bei der Umsetzung vieler Reformen gleichzeitig könnten Journalisten das  Vertrauen der Öffentlichkeit  in die Medien zurückgewinnen.

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Ivanow wurde in seinen Aussagen von Volodymyr Mostovyy unterstützt, der ebenfalls für mehr professionelle und ethische Standards warb: „Ihr Journalistendiplom ist Ihr Vertrag mit der Öffentlichkeit darüber, dass die Bürger Ihnen vertrauen." Worauf  basiert dieses Vertrauen? Es basiert dem tatsächlichen Verständnis von Berufsstandards und der Einsicht in die damit verbundenen ethischen Anforderungen." Darüber hinaus sagte Mostovyy: „Über was auch immer ein Journalist schreibt – er schreibt über sich selbst. Denn ein Zuschauer, Hörer oder Leser beurteilt gerade die Kompetenz des Journalisten, seine Haltung, sein allgemeines Kulturniveau und seine Prinzipientreue in der Berichterstattung. Das einzige was man (sich) im Journalismus verdienen kann, wenn man Karriere macht, ist: ein Name. Aber der ist leicht wieder zu verlieren. Und es ist unmöglich, einen einmal in Verruf geratenen Namen wieder herzustellen."

Der Projektkoordinator der Friedrich-Naumann-Stiftung Volodymyr Oliinyk berichtete über die deutschen Erfahrungen in der politischen Bildung. Er betonte, dass für europäische liberale Werte an erste Stelle der Mensch steht, der politische Prozesse und die Gesellschaft mitgestaltet. Er regte die Journalisten an, mehr über die vielfachen, in der Ukraine parallel stattfindenden Reformen und ihre Bedeutung für die Gesellschaft zu schreiben und  ausgewogen über negative und positive Faktoren der durch sie verursachten Veränderungen zu berichten.

Rechtsanwalt Halabala erläuterte den Teilnehmern die Grundzüge der Verfassungs- und Justizreform und diskutierte mit ihnen Veränderungen, die nach ihrer Umsetzung zu erwarten sind. Auch gab er Empfehlungen, wie man sich im Gericht verhält und Hinweise auf Quellen für die Informationen über Gerichtsverfahren.

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Das größte Interesse der Journalisten galt dem Training zu Verwaltungsreform und Dezentralisierung, während dessen Vitali Zahaynyy eine Übersicht über die Besonderheiten des Dezentralisierungsprozesses darstellte, zu dem die anwesenden, zumeist regional tätigen Journalisten zahlreiche Fragen hatten. Hauptthemen waren: Was ist wichtig in der Berichterstattung über die Einhaltung kommunaler Budgets sowie welche Kompetenzen und Verantwortung haben lokale Behörden bzw. welche Folgen hat die Vereinigung bestehender Kreise  innerhalb der Verwaltungsreform.

Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, durch eigene kreative Arbeit die behandelten Themen zu vertiefen und die Ergebnisse dann der Gruppe vorzustellen sowie sie zu besprechen.

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