Odessa: "Freiheit ist der höchste Wert"

Nachricht20.01.2011
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„Europäische Werte. Warum will die Ukraine in die Europäische Union?“ Eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema fand in Odessa statt. Eingeladen zum Gespräch waren Vertreter von politischen Parteien und Nichtregierungsorganisationen in Odessa, Leader von Jugendbewegungen und Jugendverbänden sowie Journalisten. Dabei waren: Die Leiterin des Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in der Ukraine und Belarus, Dr. Heike Dörrenbächer, der Leiter der Europäischen Akademie, Berlin Prof. Dr. Eckart D. Stratenschulte, und der Abteilungsleiter der Magistratsabteilung für Innenpolitik in Odessa, Andrij Krupnyk.

Professor Eckart D. Stratenschulte, ziemlich scharf und offen bei seinen Einschätzungen (wie es sich erst später herausstellte), begann seinen Dialog mit den Diskussionsteilnehmern mit einem Geständnis: „Fünfundzwanzig Jahre habe ich davon geträumt nach Odessa zu kommen. Fünfundzwanzig Jahre lang blieb mein Wunsch unerfüllt. Und erst heute bin ich in die Stadt, die mich einmal so richtig nervös machte, gekommen. 1985, schon lange her, hat meine Frau, die damals im siebenten Monat schwanger war, beschlossen, etwas Ungewöhnliches zu tun. Damals war sie in Kiew und wollte dann ihre Reise mit dem Schiff fortsetzen, so begab sie sich nach Odessa. Aus eurer Stadt [aus Odessa] habe ich von ihr ein Telegramm erhalten. Es war aber so, dass ich keine Möglichkeit hatte dieses zu lesen. Stellt euch meinen Zustand vor, was ich mir in dem Augenblick alles dachte (die Leute in mittlerem und hohem Alter können sich noch, glaube ich, an alle Besonderheiten und die „Attraktivität“ der Beziehungen zwischen Deutschland und der UdSSR in der Zeit des „kalten Krieges“ gut erinnern, Anm. der Autorin).

 

 

Den heutigen Jugendlichen möchte ich hier ein Geheimnis verraten: Damals gab es noch keine Mobiltelefone, daher konnte ich mit meiner Frau nicht telefonieren und nicht klären, was wohl passiert ist. Da habe ich schon gedacht, mein erstes Kind wurde weit weg von mir – in einer Stadt, die Odessa heißt, – geboren. Oh, wie sehr wollte ich damals in eurer Stadt sein! Dabei hat sich aber folgendes herausgestellt: Meine Frau, mit Odessa fasziniert, schickte mir ein Telegramm und teilte mit, wie schön es da war und wie sehr sie sich wünschte, dass ich dabei wäre. Seither ist schon viel Zeit vergangen, meine Frau erinnert sich aber bis jetzt sehr gerne an eure, wie sie sagt, wunderschöne Stadt.

Seit jener Zeit hatte ich den Wunsch alles mit den eigenen Augen zu sehen, es gelang mir lange Zeit aber nicht. Und heute, als ich meinen 25 Jahre zurück liegenden Wunsch nun endlich erfüllen konnte, verstehe ich, dass meine Frau Recht hatte: Odessa ist doch wirklich wunderschön! Da bin ich mir sogar eines sicher: Wären meine damaligen Ängste Wirklichkeit geworden, und wäre meine Tochter in eurer Stadt geboren worden, würde sie darauf stolz sein…“

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